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Verantwortliche Vermittlung: Gilda Laneve
Im Gespräch mit Gilda Laneve
Du arbeitest seit September im Südpol Luzern. Was hat dich schon früh an der Vermittlungsarbeit interessiert und was hat dich dazu bewogen, diesen Weg einzuschlagen?
Vermittlung ist ein Thema, das mich schon länger beschäftigt. Sie war bereits in meiner Ausbildung ein Thema – ich habe Musik und Bewegung studiert und habe damals schon einige Vermittlungsprojekte im musikalischen Bereich umgesetzt.
Vermittlung ist für ein Projekt einfach ein totaler Mehrwert. Sie eröffnet Zugänge zu Kunst und Kultur für Menschen, die vielleicht nicht von selbst den Weg in ein Kulturhaus finden. Vermittlungsarbeit heisst für mich, Brücken zu bauen – zwischen Bühne und Publikum, zwischen Kunstschaffenden und unterschiedlichen Lebensrealitäten. Konkret hier am Südpol ist es ein Feld, in dem man noch einiges bewirken kann – denn diese Stelle gab es bisher nicht. Das eröffnet viel Gestaltungsspielraum und es entstehen neue Möglichkeiten.
Diese Erfahrungen und Gedanken haben mich letztlich dazu bewogen, mich zu bewerben. Vermittlung passt auch persönlich gut zu mir: Ich arbeite gerne konzeptionell und kreativ, stehe aber nicht so gerne auf der Bühne – ermögliche es aber umso lieber andern.
Du sagst, in deiner Ausbildung hast du das Feld Vermittlung bereits gestreift. Gab es dort einen oder mehrere Momente, in denen dir klar wurde, dass du dich für Vermittlung engagieren möchtest und darin etwas verändern willst?
Ja, diesen Moment gab es tatsächlich nicht nur einmal – sowohl während meiner Ausbildung als auch später in der freien Szene. In Projekten habe immer wieder erlebt, wie sich etwas verändert, sobald Menschen aktiv einbezogen werden. Plötzlich war Kunst nicht mehr etwas, das man nur konsumiert, sondern etwas, das man selbst erlebt und mitgestaltet.
Auch in der freien Szene habe ich Vermittlungsprojekte angerissen. Beispielsweise habe ich einmal eine Radiostation für Schüler*innen im Rahmen eines Theaterstückes gemacht. Ich habe geschaut, dass Probebesuche möglich werden usw. Ich habe einfach gemerkt, dass Menschen früh ins Boot geholt werden müssen, sodass sie sich auch nachhaltig für Kultur interessieren und daran teilnehmen.
Vermittlung war für mich nie ein Zusatz, sondern ein zentrales Anliegen. Es geht um kulturelle Teilhabe und um das Öffnen von Räumen zwischen ganz unterschiedlichen Welten. Hier gibt es ein Wirkungsfeld – diese Synergien kann man nutzen.
Viele Menschen können sich unter «Vermittlung» wenig Konkretes vorstellen. Was bedeutet Vermittlung für dich – und wie zeigt sich das ganz praktisch in deiner Arbeit im Südpol Luzern?
Vermittlung wird oft als etwas Abstraktes wahrgenommen, dabei ist sie sehr konkret. Für mich bedeutet sie, Zugänge zu schaffen – vor, während und nach einem künstlerischen Ereignis. Es geht darum, Menschen abzuholen, neugierig zu machen. Ganz praktisch zeigt sich das im Südpol zum Beispiel in der Entwicklung neuer Formate, zu Publikumsgewinnung. Wie erreichen wir Menschen, die den Südpol noch nicht kennen? Wie schaffen wir Sichtbarkeit für diesen Ort – der für viele in der Kulturszene selbstverständlich ist, für andere aber noch völlig unbekannt? Mich beschäftigt dabei besonders die Frage, welche Etappen ein potenzielles Publikum durchläuft, bis es tatsächlich an einer Veranstaltung partizipiert.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Zusammenarbeit mit Schulen und Quartieren – wie kann Kultur gemeinsam nachhaltig gestaltet werden, sodass das Interesse an Kultur auch bei Familienmitgliedern oder durch aktives Mitwirken weitergetragen wird.
Und nicht zuletzt bildet Vermittlung auch Netzwerke. Menschen kommen zusammen, verbinden sich, reden miteinander, hören einander zu… relevant in Zeiten wie diesen!
Welche Menschen oder Gruppen möchtest du mit deiner Vermittlungsarbeit im Südpol besonders erreichen?
Am liebsten? Alle 🙂
Aber der Fokus liegt auf den Schulen und der Nachbar*innenschaft – da ist grosses Potenzial.
Hier auf dem Kampus Südpol passiert unglaublich viel, und meiner Meinung nach ist das noch nicht bei allen angekommen. Gleichzeitig werden viele mögliche Synergien noch zu wenig genutzt. Genau hier setzt Vermittlung für mich an: Es geht nicht darum ein fixes Zielpublikum zu definieren, sondern offen zu bleiben und zuzuhören: Wer ist da, wer fehlt – und wie können wir gemeinsam Formate entwickeln, die wirklich einladen, teilzunehmen? Potenzial gibt es auf jeden Fall genug.
Du bist auch privat stark in der Luzerner Kulturszene unterwegs. Wo siehst du aktuell die grössten Herausforderungen – insbesondere in Bezug auf Vermittlung?
Dass Vermittlung noch nicht die Gewichtung und Wichtigkeit erlangt hat, die sie verdient. (übrigens nicht nur in der Luzerner Kulturszene) Man muss sich oft erklären: Wieso man Vermittlung macht, was das genau ist, was es bringt usw.
Zum anderen gibt es nach wie vor Hürden bei der kulturellen Teilhabe: Unterschiedliche Lebensrealitäten, Zeitdruck, finanzielle Einschränkungen oder schlicht fehlende Informationen führen dazu, dass Kunst und Kultur nicht für alle gleichermassen erreichbar sind. Ausserdem fehlt es häufig an Vernetzung: Viele Angebote entstehen isoliert, Synergien zwischen Institutionen, Quartieren und Schulen werden nicht optimal genutzt. Vermittlungsarbeit kann hier viel bewegen, indem sie Brücken baut.
Was machst du, wenn du nicht im Südpol arbeitest – und wie fliesst das vielleicht auch in deine Arbeit ein?
Wenn ich nicht im Südpol arbeite, spaziere ich durch Luzern und beobachte viel – wie Menschen Kultur erleben, wo sie stehen bleiben, was sie anspricht. Ich würde fast sagen, ich sammle „Feldforschung“ für meine Arbeit hier. 😄
und dann mache ich sonst noch zwei, drei Sachen in der freien Szene 😉
Dein bisher spannendster oder prägendster Moment als Verantwortliche für Vermittlung im Südpol?
Die Vielfalt von allem!
Das Südpol Programm, von den Menschen rund um den Südpol, die sozialen Vereine – das war mir so bisher auch nicht bewusst.
Das Potenzial des Südpols kann man noch viel mehr ausschöpfen: Raumnutzung, Teilhabe, Partizipation. Ja, ich habe noch viele Ideen!
Welche Formate oder Ideen möchtest du in Zukunft unbedingt noch umsetzen – worauf hast du aktuell am meisten Lust?
Ich freue mich sehr auf den Neujahrsmarkt am 17. Januar, bei dem eine breite Zielgruppe ihren Weg an den Südpol findet. Auch auf die Schulvorstellungen freue ich mich sehr – die erste findet direkt im Januar statt. Im Sommer stehen auch noch zwei, drei Projekte an, die ich kaum erwarten kann. Insgesamt reizt mich, Formate umzusetzen, die unterschiedliche Menschen zusammenbringen, Beteiligung ermöglichen und das Potenzial des Südpols noch sichtbarer machen.