On Südpol
Der Schweizer Musiker Edb steht vor einer hellen Wand mit Zickzack-Muster. Er trägt eine dunkle Jacke, einen schwarzen Cardigan und ein weißes Hemd. Seine lockigen Haare fallen seitlich auseinander. Das Bild ist grell beleuchtet und hat einen künstlerischen Stil.

«Ich hab eigentlich die ganze Zeit Ferien in meinem Kopf»: Im Gespräch mit Edb

Di, 24.03.2026

Foto: Moritz von Bergen.

 

 

Vor deinem Konzert am Samstag bist du eine Woche in Residenz im Club und kannst hier arbeiten. Was machst du in der Zeit? Mit wem bist du hier, was habt ihr vor?

 

Ich bin hier mit der ganzen Band und einem Ton- und einem Lichttechniker. Und wir proben das Set für die Tour.

 

Die Tour ist im Winter gestartet, jetzt geht’s aber erst richtig los. Das Set steht ja eigentlich schon oder gibt es noch Änderungen?

 

Wir müssen jetzt vor allem erst mal wieder reinkommen, weil wir eine kleine Pause hatten. Und dann gibt es schon auch Setwechsel von Sachen, wo wir gemerkt haben, dass sie nicht so gut funktioniert haben. Die wir überarbeiten wollen. Wir nehmen auch neue Songs mit rein, die wir anschauen müssen. Wir hatten zuerst nur die drei Shows im letzten Jahr gebucht und haben dann gesagt, komm, machen wir doch ne grössere Tour. Deshalb hat es sich ergeben, dass die drei Shows quasi ein kleiner Vorlauf waren, aber sie waren nie als Test gedacht. Die Erfahrungen aus den bisherigen Shows und die Woche jetzt hier sind auch ein bisschen Vorarbeit für die Festivals im Sommer.

 

Wenn ihr nicht hier wärt, wo würdet ihr sonst proben?

 

Dann hätten wir einfach eine andere Venue angefragt. Im Proberaum sind wir nur, wenn es nötig ist, wenn wir neue Lieder machen zum Beispiel. Aber für grosse Konzerte proben wir eigentlich immer direkt in einer Venue. Da kannst du direkt alles besser einschätzen wegen dem Sound, da bekomme ich dann auch ein besseres Gefühl für den Raum.

 

Wer ist dann alles dabei, wer gehört zu deinem Tourteam?

 

Die Band und jeweils ein Mensch für Licht und Ton. Und dann noch eine Person, die das Tourmanagement macht. Manchmal kommt noch jemand vom Booking dazu oder jemand, der noch Merchverkauf macht. Für ein grosses Offstageteam sind wir noch zu klein, aber das kann ja noch werden.

 

Wie unterscheiden sich die Phasen vor, während und nach der Tour? Wie bist du da involviert?

 

Die Vorproduktion macht das Booking, da bin ich nicht so involviert. Aber es ist ja schlussendlich mein Projekt und am Ende muss ich zufrieden sein. Ich bin immer mit informiert, aber ich vertraue auch den Leuten, dass sie in meinem Interesse handeln.

 

Habt ihr einen regelmässigen Proberhythmus?

 

Das kommt drauf an, die Bandmitglieder sind ja auch noch in anderen Projekten. Deshalb machen alle für sich selbst viel Vorarbeit und das Zusammenfinden braucht am Ende oft nur zwei oder drei Tage. Das geht meistens schneller als man denkt. Aber das sind auch sehr intensive Tage, an denen man dann gemeinsam rumtüfelt und voll drin ist. Wir sehen uns nicht regelmässig, aber es gibt ganz fix organisierte Produktionsblöcke. Und es ist ja auch viel Musclememory, was Songs anbelangt, die wir letztes Jahr schon viel gespielt haben. Da muss man nicht mehr so viel investieren, die spielt man dann ein paarmal zusammen und dann sind sie wieder drin.

 

Wie ist das, wenn ihr neue Sachen macht?

 

Das ist natürlich zeitaufwändiger. Voll allem rauszufinden, wo braucht es was? Was spielen wir alles live? Was kommt vom Band? Silvan ist unser musical director, der stellt die Sets zusammen. Und wir müssen vor allem viel auf Roger hören, der den Ton mischt, der besser einschätzen kann, wie es nach aussen tönt.

 

Was kommt nach der Tour?

 

Meine nächsten zwei Jahre sind schon durchgeplant.

 

Was machst du zwischen den Plänen, wenn du mal Zeit hast?

 

Es gibt auch Tage, an denen ich nix zu tun hab. Dann bin ich auch einfach ein Lebemann. Bisschen in den Tag hineinleben, sehen was kommt. Das brauche ich auch als Ausgleich, grad so nach Konzerten. Manchmal hab ich Mühe, meine social batteries auf einem hohen Level zu halten. Dann bin ich auch mal froh, nicht so viele menschliche Kontakte zu haben und ein bisschen zu regenerieren. Nächsten Januar will ich auch mal wieder in Ferien gehen, das hab ich schon lange nicht mehr gemacht. Das hab ich mir auf jeden Fall vorgenommen, ob ich es dann auch wirklich mache, weiss ich noch nicht.

 

Wie sehen deine Traumferien aus?

 

Ich möchte einen Monat nach Sri Lanka und da Musik machen. Also so richtig Ferien sind es dann auch nicht. Einfach mal in einem anderen Land Musik machen. Ich hab ja eigentlich die ganze Zeit Ferien in meinem Kopf. Ich mache das einfach gerne, ich sehe Musikmachen nicht als Arbeit. Früher hatte ich einen Job im Altersheim, da hatte ich das Gefühl, Arbeit muss einen auch ein bisschen anscheissen. Auch wenn du die Arbeit gern machst, es muss dich am Morgen schon auch anscheissen, wenn du aufstehen musst. Das habe ich nicht mehr, seit ich nur noch Musik mache. Darum hab ich auch nicht das Gefühl, dass ich Ferien brauche. Ich arbeite zwar mega viel, aber es fühlt sich für mich gar nicht so an.

 

Wann hast du aufgehört im Altersheim zu arbeiten?

 

Anfang 2025. Vorher hab ich neben der Musik immer zwei Tage die Woche im Altersheim gearbeitet. Ich hab die Lehre angefangen und dann hab ich aber nebenbei immer mehr Zeit in die Musik investiert und als ich den Plattenvertrag unterschrieben habe, habe ich die Lehre abgebrochen. Danach hab ich nebenher aber noch zwei Tage die Woche als Pflegehelfer weitergearbeitet. Ich habe einfach gemerkt, die Musik braucht viel Zeit und die wollte ich ihr auch geben. Das war ein klarer Entscheid. Ich hätte die Musik ja auch weiter als Hobby machen können. Aber heute kann ich davon leben.

 

Schade fürs Altersheim, dass sie dich da nicht mehr haben…

 

Ich war gut. Wenn sie genug zahlen, würde ich schon auch wieder zurück gehen.

 

Ist das eine Geldfrage?

 

Nein. Aber wenn sie sagen würden: Du bekommst 10.000 CHF im Monat für zwei Tage Arbeit in der Woche, würde ich das schon machen.

 

Aber prinzipiell kannst du ja jederzeit zurück. Vielleicht hast du ja in dreissig Jahren genug von der Musik und gehst wieder zurück…

 

Vielleicht mach ich dann auch was ganz Neues. Vielleicht werde ich irgendwann noch Pilot oder so. Wer weiss. Aber wahrscheinlich eher nicht. Ehrlicherweise arbeite ich nicht gern in Systemen. Ich bin nicht gemacht für eingeteilte Dienste und lange Mittagspausen. Ich bin schon sehr froh, wenn ich selbst bestimmen kann, was meine Arbeit ist.

 

Edb ist noch bis Ende April auf Tour, alle Daten findet ihr hier.